Hier nun etwas grundsätzliches über Riesenschlangen wie Sie in unserer Show vorkommen.

Die Schlangen werden in unserer Show weder gequält noch einem unnötigen Stress ausgesetzt. Vorführungen mit Tieren sind immer ein heikles Thema.

Wir haben, wahrscheinlich als einzige Fakirshow, eine dementsprechenden Ausbildungsnachweis erbracht und eine Genehmigung nach § 10 des Tierschutzgesetzes erhalten.

Beim Beutefang der Riesenschlange geht alles blitzschnell zu. Die Schlange liegt bewegungslos wie eine aufgerollte Stahlfeder bereit, der Vorderkörper in einer s-förmigen Stellung leicht angehoben. nur die lange, an der Spitze zweigeteilte Zunge tritt hin und wider hervor, um die Witterung aufzunehmen. sobald sich die Beute genügend genähert hat, schnellt sich ihr der Vorderkörper der Schlange entgegen. Der weit aufgerissene Rachen packt das Beutetier mit den nadelfeinen Zähnen, und sofort wirft die Schlange mehrere Körperschlingen um das Opfer, so dass es sich mit Zähnen und krallen nicht zur Wehr setzen kann.

Es stimmt keineswegs, dass Riesenschlangen mit ihrem Kopf einen Menschen oder ein Tier gleich zu Beginn besinnungslos schlägt. Menschen, die einen solchen Angriff überlebt haben, meinten, dass die Wucht der Schlange etwa der eines mittelgroßen Hundes entspricht, der einen anspringt.

Das Beutetier kommt meist nur noch zu einem kurzen zappeln. Bei wiederholter Bewegung seines Körpers zieht sich der Schlangenkörper fester um das Opfer. Die Luft wird zunehmend abgedrückt, der Blutdruck im Gehirn des Opfers steigt, wodurch die Beute sehr schnell ohnmächtig wird.

Ein «Knochenbrechen», wie so oft behauptet, ist es nicht, dazu reichen die Körperkräfte der Schlange kaum aus. Alle Erzählungen, nach welchen Riesenschlangen ihre Beute durch zerpressen der Knochen «wurstförmig» aufbereiten, sind frei erfunden. und wenn davon gesprochen wird, es seien Menschenschädel zerknackt worden, so ist das Unsinn, denn ein Menschenkopf ist eine recht harte Nuss.

Eine Schlangentänzerin erzählte mir zwar einst, dass eine ihrer Schlangen ihr einmal zwei Rippen gebrochen habe, aber dazu sind keine übermenschlichen Kräfte nötig. Einer meiner Söhne hatte einmal seine Braut vor lauter Liebe so fest in die Arme geschlossen, dass er ihr eine Rippe knackte.

Sobald die letzten Zuckungen ausgesetzt haben, lasst die Schlange ihr Opfer los, um es nach längerem bezüngeln erneut beim kopf zu packen und langsam zu verschlingen. Sobald der stärkste Teil der Beute, die Körpermitte, hinuntergeschlungen ist, rutscht der Rest erstaunlich schnell nach, und der Körper der Schlange quillt deutlich dort auf, wo sich die Nahrung gerade befindet. Die Schlange widmet sich anschließend mehrere Tage lang in größter Trägheit der Verdauung. in diesem Zustand ist sie leicht zu handhaben.

Hans Zenke in «das tier» Januar 1969        

   

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